Sassafras erkennen & koffeinfreien Wildtee aus Wurzeln brühen
Sassafras erkennen und zu Trail-Tee verarbeiten
Sassafras (Sassafras albidum) gehört zu den wenigen Wildbäumen, bei denen man sich wirklich sicher sein kann, was man vor sich hat. Das liegt an einem Merkmal, das kein anderer heimischer Baum Nordamerikas teilt. Aus seinen Wurzeln lässt sich zudem einer der aromatischsten koffeinfreien Tees brühen, die man draußen zubereiten kann, mit einer Note, die stark an klassisches Root Beer erinnert. Wer Blätter, Rinde und Geruch kennt, findet Sassafras zuverlässig und kann daraus unterwegs einen würzigen Tee kochen. Wie das geht und worauf man achten sollte, steht hier.
Sassafras sicher erkennen
Der Baum (manchmal eher ein Strauch) wächst vor allem im östlichen Nordamerika. Typische Standorte sind Waldränder, Wegsäume und aufgegebene Felder, also Orte, an denen sich die Natur ihren Platz zurückholt.
Die drei Blattformen, das wichtigste Merkmal
Das verlässlichste Erkennungszeichen: An ein und demselben Zweig trägt Sassafras drei völlig unterschiedliche Blattformen gleichzeitig. Das klingt zunächst kurios, ist aber leicht zu überprüfen:
- Ovale, ungelappte Blätter, schlicht und eiförmig
- Zweilappige Blätter, die aussehen wie ein Fäustling oder ein Handschuh ohne Finger
- Dreilappige Blätter mit drei sanft abgerundeten Spitzen
Diese Kombination gibt es bei keinem anderen heimischen Baum. Wer also drei Blattformen an einem Zweig findet, kann sich die Bestimmung eigentlich schon sparen, so eindeutig ist das Zeichen.
Weitere Erkennungsmerkmale
- Rinde: jung grünlich und glatt, später rotbraun und tief gefurcht, fast wie altes Leder
- Zweige: brechen leicht ab und riechen beim Anritzen deutlich nach Zitrus, Zimt oder Root Beer
- Geruch der Wurzeln: süßlich-würzig, der Test, der am Ende immer zählt
- Früchte: dunkelblaue Beeren an roten Stielen, im Spätsommer gut sichtbar
- Herbstfärbung: ein kräftiges Orange-Gelb-Rot, das selbst Laien aus zehn Metern auffällt
Im Zweifel einfach ein Blatt zerreiben oder ein kleines Stück Rinde anritzen. Taucht der typische Root-Beer-Duft auf, ist die Sache geklärt.
Wurzeln richtig ernten
- Nur junge Seitenwurzeln ausgraben, niemals den kompletten Wurzelstock eines Baumes kappen
- Frühjahr oder Herbst sind die besten Erntezeiten, dann steckt am meisten Saft in den Wurzeln
- Mit einer kleinen Schaufel oder einem Grabstock vorsichtig freilegen, grobe Hektik zerstört nur Wurzelmaterial
- Erde zunächst mit einer Bürste entfernen, danach mit Wasser nachspülen
- Die Rinde der Wurzel ist der eigentliche Schatz, hier sitzen die meisten ätherischen Öle
Nachhaltigkeitstipp: Lieber von drei, vier verschiedenen Pflanzen eine Handvoll nehmen, als eine einzelne bis auf den Wurzelstock zu plündern. Der Wald merkt sich solche Dinge.
Koffeinfreien Trail-Tee brühen
Zutaten
- 1 Handvoll frische oder getrocknete Sassafras-Wurzelrinde (etwa 2 bis 3 kleine Stücke)
- 500 ml Wasser
- Optional: ein Löffel Honig oder Ahornsirup
Zubereitung
- Wurzelstücke grob zerkleinern oder mit dem Messer in dünne Späne schaben. Mehr Oberfläche bedeutet mehr Aroma im Wasser.
- Wasser im Topf oder im Kochgeschirr zum Kochen bringen.
- Wurzeln dazugeben und 10 bis 15 Minuten köcheln lassen. Je länger es zieht, desto tiefer wird die rötlich-bernsteinfarbene Tönung.
- Durch ein Sieb oder ein Tuch abseihen.
- Warm trinken, bei Bedarf mit etwas Honig abrunden.
Am Lagerfeuer geht es noch simpler: Wurzelstücke in einen Blechbecher, mit Wasser bedecken, über die Glut stellen, kurz köcheln lassen. Fertig ist ein Tee, der nach einem langen Wandertag richtig guttut.
Sicherheitshinweis: Safrol beachten
Sassafras-Wurzeln enthalten Safrol. In konzentrierter Form, etwa als isoliertes ätherisches Öl, gilt dieser Stoff als bedenklich und ist in den USA für die kommerzielle Nutzung reguliert. Bei einem gelegentlichen, selbst aufgebrühten Tee aus der Wurzelrinde schätzt man das Risiko als gering ein. Trotzdem ein paar Grundregeln:
- Nicht literweise und nicht über Wochen hinweg täglich trinken
- Schwangere und Stillende sollten ganz darauf verzichten
- Wer unsicher ist, probiert erst eine kleine Tasse und beobachtet, wie der Körper reagiert
Fazit
Kaum eine Wildpflanze lässt sich so eindeutig bestimmen wie Sassafras, dank der drei Blattformen an einem einzigen Zweig ein echter Glücksfall für alle, die gerade erst mit Foraging anfangen. Aus den würzigen Wurzeln entsteht mit wenig Aufwand ein warmer, koffeinfreier Tee, der an klassisches Root Beer erinnert und sich auch unterwegs am Lagerfeuer zubereiten lässt. Wer maßvoll erntet und ebenso maßvoll trinkt, kann sich an diesem Stück nordamerikanischer Wildnistradition ohne schlechtes Gewissen erfreuen.